Von (Lena Schulze)  |  16.07.2017  | Netzcode: 5308659
Kemnath

Ein Traum auf drei Rädern

Stefan Krauß und sein Benz-Patent-Motorwagen

Der Kemnather Stefan Krauß weiß, wie er seinen
Der Kemnather Stefan Krauß weiß, wie er seinen Ur-Benz anpackt: Am Schwungrad dreht er, damit der Verbrennungsmotor anspringt. Am Vollgummirad hält er sich fest. Bild: Lena Schulze
Carl Benz hatte eine Vision vom pferdelosen Kutschenwagen. Doch niemand interessierte sich für seinen Motorwagen. „Teufelszeug“, schrien die Mannheimer. Das Höllengefährt auf drei Rädern ratterte unerträglich laut, zuckelte hin und her, rauchte aus allen Enden und ließ Pferde scheuen. 130 Jahre später ist das belächelte Gefährt eine Rarität.

Auch heute noch tuckert die dreirädrige Motor-Kutsche laut über das Kopfsteinpflaster. Das Brummen und Surren schert keinen Menschen. Nur der Anblick lässt die Kemnather stutzen. Der Bäckermeister Stefan Krauß fährt seinen Benz-Patent-Motorwagen Nummer 1 durch die Innenstadt. Passanten halten an, klatschen Beifall, winken staunend und machen Fotos vom Automobil. „Natürlich fällt man auf, man hört mich schon von weitem“, genießt Krauß das Interesse. Was die Fußgänger bestaunen, ist der exakte Nachbau des ersten Automobils der Welt mit Verbrennungsmotor von 1886. Das einzige Original-Exemplar steht im Deutschen Museum in München. Für Stefan Krauß ist es das Höchste der Gefühle, das zweisitzige Gefährt zu präsentieren.

Die Leidenschaft des Bäckers für die Automarke kommt nicht von ungefähr: „Die ganze Familie ist Mercedes-Fan“, sagt er. In seinem Hobby-Zimmer ist die Wand mit Mercedes-Postern tapeziert, Regale sind voll mit Mercedes-Modellautos. Die absolute Krönung der Mercedes-Sammlung ist allerdings der Benz-Patent-Motorwagen Nummer 1. „Etwas noch Älteres gibt es nicht. Das ist der Ur-Benz.“ Fünf Jahre lang sucht Krauß nach diesem Schmuckstück. Vergangenen Oktober erfüllt er sich diesen Traum.

In einem privaten Automuseum in London, das aufgelöst werden sollte, findet Krauß einen Nachbau des Patent-Motorwagens Nummer 1, der 1986 zum 100-jährigen Bestehen des Patents entstand. Mit Unterstützung von Oldtimer-Fan Robert Skottke, der sich als Anwalt auch beruflich intensiv mit Old- und Youngtimer-Recht befasst, überführt Krauß den Wagen nach Deutschland. Einen mittleren fünfstelligen Betrag lässt er sich seinen Traum kosten. „Zuerst wollte ich gar nicht hin fliegen“, erklärt Krauß. Aber Skottke überzeugt ihn: „Doch, das schauen wir uns an.“ Der Anwalt kümmert sich um Zoll, Steuer, Versicherung und Überfahrt. Ein Lkw transportiert das Fahrzeug knapp 1200 Kilometer in die Oberpfalz.

„Wenn ich so etwas Besonderes habe, muss ich es auch ausfahren und herzeigen“, erklärt Krauß. Einmal in der Woche, meist sonntags, dreht er eine Runde durch die Stadt. Anfangs in kurzen Hosen und T-Shirt. Bekannte stören sich aber an dem Anblick des altmodischen Gefährts und des neumodisch gekleideten Fahrers: „Das passt nicht. Du musst dich schon richten“, sagen sie. Krauß besorgt sich Frack und Mercedes-Zylinder, damit das Bild stimmt.

Oft ist der Kemnather mit seinem Benz-Patent-Motorwagen auf Oldtimer-Treffen in der Region anzutreffen. Mit einem eigens angefertigten Anhänger transportiert er das gute Stück. „Es ist sehr pflegeintensiv“, gibt der Fahrer zu. Aber alle Arbeit ist es ihm wert. „Es ist eine Art missionarische Tätigkeit“, erklärt Krauß lachend. „Den Spaß an der Technik zu verbreiten.“ Mittlerweile besitzt er eine Gebrauchsanweisung für das Fahrzeug. Wöchentlich verbringt Krauß bis zu vier Stunden mit aufpolieren, warten und ölen. An Eigenheiten des Gefährts hat er sich schnell gewöhnt. Wenn etwas nicht gleich klappt, weiß Krauß genau, an welchen Rädchen er drehen muss. Das 0,75 PS starke Dreirad fährt etwa 16 Kilometer pro Stunde. Fahrten über zu steile Hügel packt der Einzylinder-Viertaktmotor nicht. „Da bleibe ich stehen und muss schieben.“ Auch Kälte verträgt der Ur-Benz nicht, da springt er nicht an. Auf 100 Kilometer verbraucht der Motorwagen 10 Liter Benzin. „Ich tanke ganz normal an der Tankstelle.“ Carl Benz musste dazu einst „Waschbenzin“ in der Apotheke kaufen.

Damit der Motor anspringt, dreht Krauß ein bis fünf Mal an dem großen Schwungrad, das hinten im Heck liegend eingebaut ist. Am Hebel rechts der ledernen Sitzbank stellt Krauß drei Gänge ein: Bremsen, Stehen, Gas. Mit der linken Hand steuert Krauß das Fahrwerk über eine Zahnstangen-Lenkung mit Lenkkurbel. Mit drei Drahtspeichenrädern aus Vollgummi rüttelt der Wagen über das Kemnather Kopfsteinpflaster. Der stolze Fahrer kann nicht anders, als unentwegt zu lächeln.

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