Von  |  23.09.2016  | Netzcode: 5071051
AMBERG

OWZ am Wochenende: Auch ein bissl Psychologie

Der Alltag in der Integrierten Leitstelle in Amberg

AMBERG. Interessiert blickt der kleine grüne Drache mit dem roten Feuerwehrhelm hinunter auf den Mann am Telefon. Es ist Grisu (die Kinder unter uns kennen ihn) und er wacht – zumindest optisch – über den Feuerwehr-Disponenten bei der Integrierten Leitstelle (ILS) in Amberg. Hier werden die Feuerwehr- und Rettungsdienst-Einsätze in der Stadt Amberg sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf koordiniert. Was der „Schützling“ des kleinen Drachens und seine Kollegen dabei zu tun haben, erklären sie im Interview.

Jede Menge Technik ...
Jede Menge Technik für die Koordination von Rettungseinsätzen: die Integrierte Leitstelle in Amberg. Bild: Michaela Süß
Interessiert blickt der kleine grüne Drache mit dem roten Feuerwehrhelm hinunter auf den Mann am Telefon. Es ist Grisu (die Kinder unter uns kennen ihn) und er wacht – zumindest optisch – über den Feuerwehr-Disponenten bei der Integrierten Leitstelle (ILS) in Amberg. Hier werden die Feuerwehr- und Rettungsdienst-Einsätze in der Stadt Amberg sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf koordiniert. Was der „Schützling“ des kleinen Drachens und seine Kollegen dabei zu tun haben, erklären sie im Interview.

Rund 290 000 Einwohner im Einsatzgebiet – kein Wunder, dass da rund um die Uhr immer irgendetwas passiert, die 280 Freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienst losgeschickt werden müssen. Um die 250 Anrufe gehen täglich unter der Notrufnummer 112 ein – und was passiert dann? Darüber informieren im OWZ-Gespräch Andreas Dommer (Geschäftsführer des Zweckverbandes Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung), Stefan Brunner (stellvertretender Leiter der ILS Amberg) sowie seine Kollegen Christoph Tresch, Alexander Reiser und Niklas Obermeier.

Insgesamt 27 Disponenten (unter ihnen vier Frauen) besetzen 24 Stunden pro Tag in drei Schichten die Leitstelle. Ständig sind ein Disponent für die Feuerwehr-Alarmierung (am Einsatzleitplatz mit Grisu), ein Disponent für Rettungsdienst-Einsätze (am Einsatzleitplatz mit dem Rettungsteddy) und ein Schichtleiter (seinen Einsatzleitplatz ziert ein Polizei-Teddy) vor Ort. Tagsüber, wenn viele Einsätze koordiniert werden müssen, verstärken zusätzlich zwei Telefonisten das Team.

Und bei Bedarf kann’s natürlich mehr werden: Kollegen an zwölf Einsatzplätzen sowie eine Führungskraft koordinieren dann die Einsätze der Hilfskräfte. So zum Beispiel bei sogenannten Großschadensereignissen wie Naturkatastrophen oder dem Zugunglück vergangenes Jahr in Freihung. „Da waren alle Plätze besetzt“, erinnert sich das Team der ILS.

Doch zurück zum „ganz normalen“ Alltag in der Rettungsleitstelle. Der beginnt beispielsweise für die Frühschicht um 6 Uhr mit der Übergabe vom Nachtdienst: Welche laufenden Einsätze gibt es? Sind fest terminierte Krankentransporte geplant? Welche Fahrzeuge und Einheiten sind verfügbar und gibt es am Tag irgendwelche Besonderheiten wie beispielsweise Arbeiten am System zu beachten?

Um 6.30 Uhr dann ein Notarzt-Einsatz: Herzinfarkt. Die Disponenten erfragen vom Anrufer die benötigten Informationen und schicken dann die Retter los. Gegebenenfalls leiten sie den Anrufer mit Hilfsanweisungen durch die Erste-Hilfe-Maßnahmen, bis die Rettungskräfte eintreffen. Sogar eine Reanimation mit Unterstützung der Rettungsleitstelle kann da mitunter nötig sein.

„Da muss man schon ein bissl Psychologe sein“, sagt Christoph Tresch. Die Herausforderung für die Disponenten liegt darin, die Anrufer einerseits zu beruhigen, andererseits aber trotzdem an alle relevanten Informationen zu kommen. Und „gerade bei Eltern, die einen Notfall mit ihren Kindern melden oder auch bei schweren Notfällen ist das alles andere als leicht.“
Für einen solch verantwortungsvollen Dienst brauchen die Disponenten bei der Integrierten Leitstelle natürlich eine sehr fundierte Ausbildung. Im Bereich der Feuerwehr sind das entweder eine Berufsfeuerwehr-Ausbildung oder auch diverse ehrenamtliche Ausbildungsmodule und zusätzliche Anpassungslehrgänge bei Berufsfeuerwehren beziehungsweise Feuerwehrschulen. Im Bereich des Rettungsdienst kommen Rettungsassistenten/Notfallsanitäter oder auch Kollegen mit langjähriger modularer Aus- und Fortbildung zum Einsatz. Für den speziellen Einsatz als Disponenten müssen sie alle zudem eine siebenwöchige Spezialausbildung an der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried absolvieren. „Und dann folgt eine Prüfung, die es in sich hat“, so das Team der Leitstelle.

Kurz nach 8 Uhr erreicht die Leitstelle ein Anruf aus dem Sekretariat einer Schule: Beim Sportunterricht ist eines der Kinder gestürzt und hat sich am Knöchel verletzt. Je nachdem, wie sich im Gespräch mit der Sekretärin die Situation darstellt, entscheidet der Disponent: Brauchen wir nur einen Krankentransport – also einen Krankenwagen oder Rettungswagen ohne Blaulicht? Müssen wir einen Notfalleinsatz anordnen, bei dem ein Rettungswagen mit Blaulicht zum Einsatz kommt? Oder ist es gar so schlimm, dass wir bei einer konkret bedrohlichen Situation für den Patienten einen Notarzt-Einsatz mit Blaulicht brauchen? Dann gilt es auch noch Fragen zu klären wie: Wo genau ist die Zufahrt zum Unfallort und gibt es vor Ort einen Einweiser, der den Rettungskräften den Weg zeigen kann?

Nur Minuten später gibt es Alarm bei einer der Brandmeldeanlagen, wie sie beispielsweise bei Schulen, in Seniorenheimen, Firmen oder Museen installiert sind. Der Disponent sieht sofort auf seinem Monitor, welches Objekt betroffen ist und schickt grundsätzlich Feuerwehr und Rettungswagen los. Rund 100 solcher Einsätze veranlasst die Integrierte Leitstelle im Monat. Passiert sein muss dabei noch gar nicht unbedingt etwas, denn beispielsweise Staub kann immer wieder mal einen sogenannten „Täuschungsalarm“ verursachen. Aber die Rettungskräfte rücken trotzdem aus. Man weiß ja nie ...

Nun wird es etwas ruhiger in der Leitstelle. Zeit, sich einmal an den Arbeitsplätzen der Disponenten etwas genauer umzusehen. Überall bestimmen große Bildschirme das Geschehen. Von allen Plätzen einsehbar läuft hier ständig ein Nachrichtensender und die Übersicht der Einsatzbereitschaft aller Rettungshubschrauber in 200 Kilometern Umkreis. An den einzelnen Plätzen dann noch einmal fünf Bildschirme: Auf dem ersten ist eine Karte zu sehen, die dem Disponenten sofort bei Eingabe eines Einsatzortes die entsprechende Umgebung zeigt. Auf einem zweiten Bildschirm befinden sich die Listen mit den laufenden und offenen Einsätzen.
Der dritte Monitor ist das Herzstück des Arbeitsplatzes, das Einsatzbearbeitungssystem. Hier wird von der Aufnahme der Daten bis zur Alarmierung der Einsatzkräfte alles erledigt, was im jeweiligen Fall zu tun ist. Auf einem weiteren Bildschirm ist zudem ein Überblick über den Status aller Einsatzfahrzeuge im ILS-Bereich zu sehen. Abgekoppelt vom Einsatzsystem ist der Zugang mit dem fünften Monitor. Hier kann der Disponent im Internet recherchieren, beispielsweise Details einer Gefahrgut-Auskunft. In der Mitte des Arbeitstisches findet sich schließlich noch der Touchscreen, über den die gesamte Kommunikation von Telefongesprächen bis Funk abgewickelt wird.

Ganz schön viel Technik. Aber die braucht es auch. Beispielsweise jetzt gegen Mittag, als per Notruf die Mitteilung über einen Kollaps in der Innenstadt eingeht: Ein Herr ist in der sommerlichen Hitze ohnmächtig von der Parkbank gekippt ... zum Glück aber schon wieder ansprechbar. Ein Rettungswagen mit Blaulicht soll hier starten. Aber wohin genau? Das muss der Disponent erst vom Anrufer erfragen: „Sehen Sie ein Straßenschild in der Nähe? Ist da ein bestimmtes Geschäft?“ So lässt sich relativ schnell feststellen, zu welchem Zielpunkt die Helfer unterwegs sein werden.

Nur wenig später meldet sich die Notruf-Zentrale eines großen Autoherstellers bei der Rettungsleitstelle: Die Fahrerin eines Wagens hat mit ihren Auto einen schweren Unfall gebaut, den das elektronische System im Wagen selbstständig an die Zentrale gemeldet hat. Die Disponenten setzen umgehend Feuerwehr und Rettungswagen in Marsch. Auch der Kontakt mit der Polizeieinsatzzentrale in Regensburg läuft wie immer sehr gut und reibungslos. Der Dame kann geholfen werden.

Ebenso glatt geht kurz vor Schichtende noch ein Hubschrauber-Einsatz vonstatten, der mit den Kollegen der benachbarten Leitstelle Nordoberpfalz in Weiden organisiert werden muss: Im Bad am Monte Kaolino in Hirschau gibt es nach einem Wespenstich bei einem Patienten eine kritische allergische Reaktion. Hier fungiert der Hubschrauber als „Notarzt-Zubringer“, denn gerade im Norden des Landkreises Amberg-Sulzbach ist der Arzt so in jedem Fall schneller am Einsatzort als mit dem Auto.
Kurz vor 14 Uhr kommt dann der Kollege der nächsten Schicht. Und nach der Dienstübergabe heißt es für die Disponenten des Vormittags dann: Feierabend. Zumindest, falls nichts Schlimmes dazwischenkommt …

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