Von Bürgerreporter/in Petra Scharf  |  15.05.2012  | Netzcode: 3245826 Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Moderne Aortenchirurgie

Ärztefortbildung der Gefäßchirurgischen Klinik

Bild zu Ärztefortbildung der Gefäßchirurgischen Klinik zur  Modernen  Aortenchirurgie
Der Veranstaltungsraum des Drahthammer Schlößl war gut besetzt bei der Eröffnung der Fortbildungsveranstaltung durch Chefarzt Dr. med. Ioannis Rafailidis zu den Methoden der modernen Aortenchirugie.

Jeder zehnte Deutsche über 65 Jahren hat ein Aortenaneurysma, eine Erweiterung der Hauptschlagader (Aneurysma) ohne etwas davon zu merken. Diese Aussackung kann unterschiedlich lokalisiert sein, bspw. im Bauchraum oder Brustraum. Das Problem ist, dass sie ab einer bestimmten und therapiebedürftigen Größe platzen kann. Die Erkrankung ist in mindestens 80% der Fälle tödlich, wenn die Schlagader platzt.

Jährlich werden in Deutschland etwa 10.000 Operationen an Bauchaortenaneurysma durchgeführt. Die Therapiemöglichkeiten sind, wenn man die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert, aber ausgezeichnet. Neben der bewährten offenen Operation mit Ersatz der Schlagader, hat das minimalinvasive Verfahren mit Aortenstents mehr und mehr an Bedeutung gewonnen.

Die bewährte Therapie ist die herkömmliche Operation, bei der das Aneurysma weggeschnitten und durch eine Prothese aus Kunststoff ersetzt wird. Eine elegantere Methode der Behandlung, die eine weitaus geringere Belastung für den Patienten darstellt, wurde im Laufe der letzten Jahre entwickelt: EVAR (endovascular aneurysm repair). Hierbei werden zwei kleine Einschnitte in der Leiste vorgenommen, ein ausgekleideter Stent wird unter Röntgenkontrolle durch die Arterie geschoben und unter den Nierenarterien fixiert. Diese Vorgehensweise ist viel weniger invasiv als die herkömmlichen Operationstechniken, die einen großen Abdominalschnitt erforderlich machen. Von der Leiste ausgehend wird eine Art Gefäßstütze in das Gefäßsystem eingeführt, die das Aneurysma von innen stabilisiert. An der Gefäßchirurgischen Klinik des Klinikum St. Marien Amberg werden beide Methoden angeboten.

Herr Dr. Ioannis Rafailidis, Leiter der Gefäßchirugischen Klinik über die Vorteile des minimalinvasiven Vorgehens: „ Neben einer deutlich reduzierten Morbidität verkürzt sich auch die Dauer des eigentlichen Eingriffs bei deutlich geringerem Anästhesierisiko und auch der Krankenhausaufenthalt selbst."

“Einige Diagnosen lassen aber eine endovaskuläre Implantation nicht zu, so muss bei bestimmten anatomischen Beschaffenheiten des Aneurysmas immer konventionell operiert werden. Patienten mit einer schweren Niereninsuffizienz kommen in keinem Fall für dieses Verfahren in Frage. Aber die Voraussetzungen für einen endovaskulären Eingriff sind breit gefächert“, so Dr. Rafailidis.
Mit der Einführung der schonenden OP-Methode sind auch ihre Vor- und Nachteile wissenschaftlich untersucht worden. Am häufigsten treten so genannte Endoleaks auf, d.h. 'Lücken' in der Verbindung zwischen dem Implantat und dem bestehenden Gefäß.

Ursächlich sind meistens Materialfehler oder eine zu knapp bemessene Aufhängung am Gefäßhals. Eine ganz neue Stentgeneration sind "gefensterte" Stents. Diese werden individuell auf den Patienten abgestimmt und können so nach neuesten Erkenntnissen das Risiko für das Auftreten eines Endoleaks deutlich verringern.

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