Von Bürgerreporter/in Petra Scharf  |  07.05.2012  | Netzcode: 3234749 Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Der Beginn des Lebens – festgehalten im Bild

Unerfüllter Kinderwunsch belastet jedes siebte Paar in Deutschland. Nicht immer betrifft dies das erste Kind, sehr häufig gibt es auch Probleme beim Versuch ein weiteres Kind zu bekommen. Wenn sich der Nachwuchs nicht auf „natürlichem“ Wege einstellt, vertrauen viele betroffene Paare auf medizinische Unterstützung bei der Befruchtung. Das Kinderwunschzentrum Amberg ist eines von 18 zugelassenen Zentren in Bayern mit der Ermächtigung, alle Maßnahmen der Reproduktionsmedizin, auch In-Vitro-Fertilisationen, also Befruchtungen außerhalb des Mutterleibes, durchzuführen.

Eine neue Technologie ermöglicht dem Amberger Kinderwunschzentrum den betroffenen Paaren mit einer noch größeren Erfolgsaussicht bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu helfen.
Die bisherigen Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft liegen im Rahmen einer IVF-Therapie bei 30 bis 35 Prozent (abhängig von der Ursache des unerfüllten Kinderwunsches).

In einem modifizierten Brutkasten, EmbryoScope® genannt, in welchem die Zellen heranreifen, kann deren Entwicklung jetzt lückenlos überwacht werden. „Es ist fantastisch!“ Die Experten vom Amberger Kinderwunschzentrum sind immer wieder begeistert und fasziniert vom Anblick entstehenden und sich entwickelnden Lebens. Auf einem ganz normalen Bildschirm im IVF-Labor können die Entwicklungsstadien von Eizellen aktuell beurteilt werden, die außerhalb des weiblichen Körpers befruchtet wurden.

Die Zellen können bis zu fünf Tage im neuen EmbryoScope® verbleiben, bis sie maximal das so genannte Bläschenstadium erreicht haben. Direkt aus dem Brutschrank werden sie dann in die Gebärmutter eingebracht. Was während dieser ersten wichtigen Zeit passiert, kann in den herkömmlichen Brutschränken, in denen die Eizellen bisher aufbewahrt werden, nicht lückenlos nachvollzogen werden. Denn die für eine Implantation ausgewählten Embryonen sollten während ihrer Reifung im Brutschrank so wenig wie möglich durch Temperaturänderungen oder Lichteinflüsse beeinträchtigt werden. Jede Untersuchung unter dem Mikroskop, um den Entwicklungsstand zu beurteilen, führt durch die Herausnahme der Zellen aus dem herkömmlichen Brutschrank zu einer negativen Beeinträchtigung der Zellen durch UV-Licht, Temperatur- und pH-Schwankungen. Daher muss die Häufigkeit der Beurteilung stark beschränkt werden. Das heißt nur einmal am Tag können die Zellen kontrolliert werden.


Chancen auf Nachwuchs erhöhen sich deutlich



Doch das im Amberger Kinderwunschzentrum Mitte Februar neu eingeführte EmbryoScope®, ist ein Brutschrank in den ein Mikroskop und eine Kamera eingebaut sind. In kurzen zeitlichen Abständen werden Aufnahmen von den Embryonen gemacht. Das Herausnehmen der Zellen aus dem Brutschrank ist nicht mehr erforderlich. Durch eine minimale Belichtung mittels Rotlicht wird die UV-Strahlung drastisch reduziert und die Zellen können sich ungestört entwickeln.
Jeweils bis zu 12 Embryonen von je 6 Patientinnen können gleichzeitig überwacht werden. Die Embryonen sind dabei in kleinen Schälchen jeweils in getrennten Kulturwells untergebracht. Störungen in den Teilungsprozessen können jetzt endlich sicher erkannt werden und nicht entwicklungsfähige Eizellen werden nicht weiter kultiviert. Dadurch wird im Falle einer Rückgabe der Eizellen in die Gebärmutter die Chance einer Schwangerschaft erhöht und frustrane Transfers mit nicht entwicklungsfähigen Zellen können eher verhindert werden.


Auswahlmöglichkeit der Embryonen wird verbessert



Der große Vorteil des neuen EmbryoScops® liegt darin, dass man durch die kontinuierlichen Aufnahmen vom ersten Tag der Befruchtung an die Eizellen/Embryonen beurteilen kann. Der Reifungsprozess kann im Zeitraffer beurteilt werden. Das bisherige Problem bei der Auswahl der entwicklungsfähigsten Zellen ist, dass nach den ersten Stunden im Inkubator, wenn überhaupt, nur minimalste Unterschiede zu sehen sind, d.h. ein Embryo, der am fünften Tag eine sehr gute Beurteilung (die Bestnote) erhält, muss nicht zwangsläufig im frühen Stadium bereits über die beste Prognose verfügt haben.

Ein großer Wunsch ist es auch, die Anzahl der Mehrlingsschwangerschaften nach einer IVF-Therapie zu reduzieren. Die meisten Paare, die ins Kinderwunschzentrum kommen, wollen selbstverständlich ein Kind, aber nach Möglichkeit nur eines, also keine Zwillinge oder gar Drillinge. Neben der sozialen Belastung durch Mehrlinge findet sich bei Mehrlingsschwangerschaften ein deutlich erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bis hin zum Verlust der Kinder im Verlaufe der Schwangerschaft. Mittels der neuen Technik könnte es möglich sein, unter den vorhandenen Embryonen entsprechend auszuwählen und nur die Zelle mit den besten Entwicklungsaussichten zu transferieren – Ziel wäre ein so genannter „single embryo transfer“ – d.h. Transfer von einer sicher entwicklungsfähigen Zelle.

Geleitet wird das Kinderwunschzentrum von den beiden Spezialisten für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Dr. Jürgen Krieg und Prof. Dr. Anton Scharl. Aktuell wurde das Team des IVF-Labors erweitert. Neben Prof. Dr. rer. nat. Ralf Dittrich von der Universität Erlangen, Reproduktionsbiologe, der sicher zu den führenden deutschen Spezialisten im Bereich der Reproduktionsmedizin gehört und Frau Dr. rer. nat. Dagmar Schwirzer (derzeit im Mutterschutz), ist jetzt der Reproduktionsbiologe (AGRBM) Herr Klaus-Peter Zollner, MSc. im Labor tätig. Herr Zollner ist auch Senior Clinical Embryologist. Er arbeitet und forscht seit gut 20 Jahren im Bereich der Reproduktionsmedizin und bringt somit einen sehr großen Erfahrungsschatz mit nach Amberg.

Neben den Biologen arbeitet noch Monika Sütterlin, MTA im IVF-Labor. Das Team im IVF-Labor ist für die Eizellbefruchtung und die Kontrolle der Entwicklung der Embryonen zuständig.
Wenn beste Technologie mit maximaler Erfahrung zusammentrifft, kann dies nur zum Wohle der Patienten in unserer Region sein.

Das EmbryoScop® stellt einen wirklichen Meilenstein in der Reproduktionsmedizin dar und wird mit Sicherheit in wenigen Jahren zum Standard in allen IVF-Zentren gehören. Das IVF-Team ist stolz darauf dieses Gerät schon jetzt für ihre Patientin einsetzen zu können.

Weltweit gibt es erst 100 dieser Geräte im klinischen Einsatz – in Deutschland sind es 18 und in Bayern bisher lediglich zwei! Und eines davon steht in Amberg! Damit rangiert das Amberger Kinderwunschzentrum technologisch und personell in der Spitzengruppe der deutschen Reproduktionszentren.


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